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MPS

 

Behandlung:

Die Behandlung dieses Beschwerdebildes ist schwierig und grundsätzlich langwierig. Dabei resultieren die Probleme weniger aus der Multiplizität selbst, als vielmehr aus den zahlreichen, mit der meist chronischen Gewalterfahrung verbundenen anderen Symptomen wie Ängsten, Panik, Schlafstörungen, Depressionen, Selbstverletzungen, Programmierung usw.

Menschen mit Multipier Identitätsstörung wurden in ihrer Entwicklung häufig im Kontext destruktiver Kulte programmiert. Zumindest aber erfolgt die Programmierung oft im Zusammenhang mit psychischer und physischer Folter und soll die Person zu bestimmten Reaktionen veranlassen, die durch bestimmte Auslösereize hervorgerufen werden. Diese Programmierung kann später dazu führen, dass auf ein harmloses Wort auf dem Anrufbeantworter oder einer Postkarte rosarote Luftballons oder etwas ähnlich Banalem, eine bestimmte Innenperson Kontrolle über Körper und Psyche des Menschen übernimmt und z.B. bestimmte Handlungen tätigt, Kontakt mit einem Täter aufnimmt, oder im schlimmsten Fall einen Suizidversuch unternimmt. So werden normale Abwehrmechanismen unter anderem in Stress-Situationen von Tätern sexualisierter Gewalt missbraucht, um Menschen in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Im Rahmen der Therapie gibt es bei Bedarf die Möglichkeit Anti-Depressiva und/oder Tranquilizer zu verabreichen. Die können nicht heilen, sondern dem/der Betroffenen nur helfen, mit seinen Beschwerden zu leben. Nachhaltig helfen kann nur eine Psychotherapie bei einem/einer qualifizierten Traumatherapeuten/in. Dessen/deren Ziel ist es, die multiple Persönlichkeit vom "Funktionieren" in ein "normales" Leben zu führen.

Aufgabe der Therapie ist es, zusammen mit der/dem Patienten/in eine Verarbeitungsstrategie zu entwickeln, in der es darum geht, dem Menschen die Bürde zu nehmen, das Trauma ständig wieder zu erleben. Das Hauptziel hierbei besteht darin, das Erlebte als Bestandteil der Vergangenheit anzunehmen, ohne dass die alten Auslöser (Trigger) immer wieder aktiviert werden können.

Ziel und unerlässlich ist, dass die einzelnen Persönlichkeiten lernen, miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren, also Kompromisse zu finden und gemeinsame Ziele zu formulieren, die Kontrolle zu übernehmen, ihre Erinnerungen zu teilen. Es herrscht jedoch Uneinigkeit bei den Therapeuten/innen darüber, ob Heilung die Verschmelzung der einzelnen Alters zu einem einzigen ist oder nicht.

Die Alternative wäre, das Verständnis der Persönlichkeiten untereinander zu fördern, um eine bessere Zusammenarbeit als bisher zu erreichen. So könnten alle zusammen das alltägliche Leben und die Kontrolle über den Körper bewältigen.

Ansätze, die "richtige" Person herauszukristallisieren und die anderen gänzlich zu "vernichten", sind jedoch indiskutabel. Jeder Mensch, nicht nur Multiple, hat verschiedene Persönlichkeitsfacetten, die man auch nicht einfach so zum Verschwinden bringen sollte und kann.

© Astrid Krüger

Astrid Krüger, Jahrgang 1964. Sie hat ihre eigenen Erfahrungen mit Panikattacken und Phobien in dem Buch "Panik - Chance für einen Neubeginn?" verarbeitet und darüber den Zugang zum Schreiben gefunden. Sie ist als Journalistin und Autorin psychologischer Artikel tätig. Der Schwerpunkt hierbei liegt auf Behandlungsmethoden und Erkrankungen aus diesem Bereich, die noch nicht das Allgemeininteresse gefunden haben.